Ich sitze im Garten.
Die Sonne scheint.
Die Vögel zwitschern.
Eigentlich genau das, was man sich wünscht.
Und trotzdem sitzt da jemand, der denkt:
So habe ich mir das nicht vorgestellt.
Mein rechter Arm ist gebrochen.
Ellenbogen. Radiusköpfchenfraktur. Klingt schon so, als würde es keinen Spaß machen – und genau so ist es auch.
Und weil ich Rechtshänderin bin, ist gerade gefühlt alles… kompliziert.
Die kleinen Dinge, die plötzlich groß werden
Man denkt ja immer: Ach, wird schon gehen.
Nein. Geht nicht.
Socken anziehen?
Vergiss es. Ich habe keine Ahnung, wer sich das ausgedacht hat, aber mit einer Hand ist das ein kleiner Endgegner.
Anziehen überhaupt.
So ein T-Shirt hat plötzlich mehr Strategie als ein Schachspiel.
Frühstück machen?
Ich esse aktuell erstaunlich viel Müsli.
Nicht, weil ich es so liebe – sondern weil ich keine Lust habe, alle fünf Minuten zu rufen:
„Kannst du mal bitte…?
Schneiden in der Küche?
Auch so ein Thema.
Versuch mal, einen Apfel mit einer Hand zu schneiden, während du ihn nicht festhalten kannst.
Spoiler: Der Apfel gewinnt.
Selbstständigkeit ist plötzlich keine Selbstverständlichkeit mehr
Das ist eigentlich das, was am meisten nervt.
Nicht der Schmerz.
Nicht der Gips. Sondern dieses Gefühl:
Du kannst dein Leben gerade nicht so führen, wie du es gewohnt bist.
Einkaufen?
Geht nicht.
Auto fahren?
Geht nicht.
Mal eben irgendwo rein und etwas anprobieren?
Vergiss es.
Schlafen mit gebrochenen Arm?
Naja! bei jeder Bewegung bin ich wach und versuche den noch schwereren Teil meines Körpers neu und möglichst bequem zu platzieren. (Das ist auch Esstisch und auf der Couch so)
Essen?
Wenn man jemanden hat, der alles klein schneidet… weil auch das geht nicht.
Du merkst erst, wie selbstverständlich alles war,
wenn es plötzlich nicht mehr geht.
Und dann ist da diese erzwungene Pause
Ich sitze also im Garten. Und ja – natürlich ist das schön. Ich bin nicht undankbar.
Aber wenn du gezwungen wirst, Pause zu machen,
fühlt sich Pause plötzlich ganz anders an. Dann ist es nicht mehr Erholung.
Dann ist es Stillstand. Und Stillstand ist für jemanden wie mich… schwierig.
Was mir wirklich fehlt
Das Malen.
Und noch mehr:
Meine Menschen. Meine alten Leutchen. Die Runden im Pflegeheim. Die Momente, wenn jemand sagt: „Das hätte ich nie gedacht, dass ich das noch kann.“
All das liegt gerade auf Eis. Kurse abgesagt. Termine gestrichen.
Und das tut ehrlich gesagt mehr weh als der Arm.
Und trotzdem… irgendwas geht immer
Manchmal sitze ich einfach da. Manchmal lese ich. Manchmal denke ich nach. Und manchmal – ganz manchmal – hole ich den Pinsel raus.
Linke Hand.
Sieht anders aus. Fühlt sich komisch an. Aber es passiert etwas. Und genau darum geht’s ja eigentlich.
Nicht perfekt. Nicht wie immer. Aber echt.
Dankbarkeit (auch wenn ich nicht immer gute Laune habe)
Ich bin nicht jeden Tag entspannt. Ganz im Gegenteil. Ich kann auch ziemlich gut genervt sein gerade.
Aber ich habe jemanden an meiner Seite, der das alles mitträgt. Der ruhig bleibt. Der hilft. Der einfach da ist.
Und ja – ich glaube, ich treibe ihn manchmal ein bisschen in den Wahnsinn. Aber ohne ihn wäre das hier gerade deutlich anstrengender.
Der Moment, der weh tut – und gut tut
Gestern haben wir den Verband gewechselt. Endlich kam mal Luft am Arm. Ich habe mich so gefreut. Aber dann kam eine Bewegung, so aus dem Nichts, aus Gewohnheit, ganz klein. Und mit ihr der Schmerz.
So ein Moment, wo du denkst: „Ah ja. Deshalb also. Sei geduldig!“ Hah, und das mir… Miss Ungeduld in Person, vor allem, wenn es um mich geht.
Und jetzt?
Jetzt sitze ich hier. Mit einem gebrochenen Arm. Mit einem Kopf voller Ideen. Und mit einem Herzen, das eigentlich malen, den Garten schön machen, putzen will.
Also mache ich das, was gerade geht. Langsam. Anders. Unperfekt.
Vielleicht ist genau das die eigentliche Übung
Nicht immer höher, schneller, weiter.
Sondern: annehmen, was gerade ist und trotzdem ein kleines Stück weitergehen.
Einfach. Leicht. Malen.
Auch wenn es gerade nicht leicht ist.


