Es gibt diese Momente, die nicht laut sind und trotzdem etwas in Bewegung bringen. Keine großen Ereignisse, kein dramatischer Einschnitt – eher ein kurzer Augenblick, der hängen bleibt. So ein Moment war es für mich, als ich vor ein paar Tagen einen Newsletter gelesen habe, in dem über ein Podcast-Interview mit mir geschrieben wurde.
Und während ich las, kam mir ein Gedanke, der mich selbst überrascht hat:
Bin das wirklich ich?
Der Podcast selbst hatte eigentlich ein ganz anderes Thema. Es ging um „Sketch your Book“, einen Kurs von Simone Abelmann, in dem aus einer Idee Schritt für Schritt ein eigenes Buch entstehen kann.
Ich bin damals ohne großen Plan dort hineingegangen, nicht mit dem festen Ziel, ein Buch zu schreiben, sondern eher mit dem Gefühl, etwas auszuprobieren. Ich hatte diese Figur im Kopf – „Emma Huhn“ – und ein paar kleine Bloggedanken dazu. Mehr war es nicht. Dass daraus einmal ein richtiges Buch entstehen würde, hätte ich zu diesem Zeitpunkt selbst nicht gesagt.
Hier der Blogbeitrag zu „Sketch your Book – oder wie ein echtes Buch entsteht“
Im Podcast ging es dann um den Weg dorthin, darum, wie ich überhaupt zur Kreativität gekommen bin, was sich verändert hat, als aus einer Idee plötzlich etwas Greifbares wurde, und auch darum, was danach entstanden ist. Also eigentlich genau die Dinge, die man selbst selten so klar erzählt, weil sie sich von innen heraus eher wie ein Prozess anfühlen als wie eine fertige Geschichte.
Und dann kam dieser Newsletter.
Jemand hat zugehört, hat verstanden und hat das Ganze in Worte gefasst – ruhig, klar und fast selbstverständlich. Plötzlich stand mein Weg da, als hätte er von Anfang an genau so ausgesehen.
Burnout, Neubeginn, ein Buch, ein neuer Weg.
Und ich saß da und dachte:
Das klingt irgendwie größer, als es sich angefühlt hat.
Und gleichzeitig war da so ein leises Staunen.
Weil ich gemerkt habe: Das ist wirklich passiert.
Denn wenn man mittendrin steckt, fühlt sich das eigene Leben selten besonders an. Es gibt keinen klaren Schnitt, keinen Moment, an dem man sagen kann: „Hier hat alles angefangen.“
Bei mir war es eher ein langsames Wieder-Anfangen. Nach einer Zeit, die schwer war und in der vieles stillstand, kam irgendwann dieser leise Impuls, wieder etwas zu versuchen. Ich hatte keinen Plan und kein konkretes Ziel, nur diesen einen Gedanken: Ich probiere das einfach mal.
So hat es mit dem Malen begonnen. Ohne Anspruch, ohne Vorstellung davon, wohin mich das führen würde. Es ging nicht darum, etwas „Gutem“ zu schaffen oder ein Ergebnis zu erreichen, sondern schlicht darum, wieder ins Tun zu kommen. Farben auf Papier, ein Pinsel in der Hand, ein Anfang ohne Bewertung.
Rückblickend wirkt dieser Schritt fast unscheinbar, und doch war er wahrscheinlich entscheidend. Nicht, weil er sofort etwas verändert hat, sondern weil er etwas in Bewegung gebracht hat. Aus diesem einfachen Ausprobieren ist nach und nach mehr entstanden, nicht auf einmal, sondern Schritt für Schritt.
Ein Buch: „Die Abenteuer von Emma Huhn“.
Und vor allem ein Weg, den ich so nie geplant hätte.
Heute arbeite ich mit Menschen, die oft nicht im Mittelpunkt stehen. Senioren, Menschen mit Demenz, Menschen nach einem Schlaganfall. Wir sitzen zusammen und malen – nicht perfekt und nicht nach festen Regeln, aber ehrlich.
Und manchmal passiert etwas, das sich kaum erklären lässt. Manchmal ist es ein Blick, der wacher wird, ein Lächeln, das zurückkommt, oder ein Moment, der einfach bleibt.
Lies gern auch meinen Blogbeitrag zu „Kreativität im Alter“
Das sind keine großen, spektakulären Augenblicke, aber es sind genau die, die zählen.
Vielleicht war es genau dieser Teil meines Weges, den ich selbst lange als selbstverständlich betrachtet habe. Etwas, das einfach „so passiert ist“. Erst durch diesen Newsletter – und später auch, als ich mir den Podcast selbst noch einmal in Ruhe angehört habe – wurde mir bewusst, dass sich dieser Weg von außen anders darstellt.
Klarer, greifbarer und vielleicht auch bedeutungsvoller, als ich ihn selbst gesehen habe.
Das Gespräch im Podcast mit Simone Abelmann kannst du hier hören:
YouTube: Podcast von Simone Abelmann: Emma Huhn will endlich ins Buch
Spotify: Podcast von Simone Abelmann: Emma Huhn will endlich ins Buch

Beim Zuhören hatte ich immer wieder das Gefühl, meine eigene Geschichte neu kennenzulernen. Nicht, weil sie sich verändert hätte, sondern weil sich der Blick darauf verschoben hat. Es war, als würde jemand einen Schritt zurücktreten und das Ganze aus einer anderen Perspektive betrachten.
Und vielleicht liegt genau darin etwas, das wir oft unterschätzen.
Wir sind so nah dran an unserem eigenen Leben, dass wir vieles gar nicht einordnen. Wir sehen die Zweifel, die Umwege und die Unsicherheiten, erinnern uns daran, wie unfertig sich vieles angefühlt hat. Von außen hingegen wird oft etwas anderes sichtbar: dass wir weitergegangen sind.
Ich glaube, wir unterschätzen unseren eigenen Weg oft genau aus diesem Grund. Weil er sich nicht wie eine Geschichte anfühlt, sondern wie Alltag. Weil es keine klaren Kapitel gibt und keine großen Überschriften. Und weil wir dazu neigen, das, was wir geschafft haben, als selbstverständlich abzutun.
Dabei beginnt vieles genau dort – im Kleinen, im Ungeplanten und im Unperfekten.
Wenn ich heute etwas daraus mitnehme, dann ist es keine große Überschrift und kein fertiges Konzept. Es ist eher eine ruhige Gewissheit: Man muss nicht wissen, wo es hinführt, man darf einfach anfangen.
Vielleicht gibt es auch in deinem Leben so einen Gedanken. Etwas, das noch nicht ganz klar ist, noch nicht fertig und vielleicht sogar ein bisschen unsicher.
Ich kenne das gut.
Und vielleicht ist genau das der richtige Moment, ihn ernst zu nehmen. Nicht, weil du schon weißt, was daraus wird, sondern weil du bereit bist, es herauszufinden.
Der Rest ergibt sich oft später – leise, Schritt für Schritt.
Mehr zu diesem Blog:
Instagram Reel
Facebook Beitrag







